In Erwägungen (Pamąstymuose) habe ich ein Beispiel aus dem Lehrbuch geni@l B1 vorgestellt. Darin sind so viele englische Wörter dabei, dass ich dieses Beispiel an den Verein Deutsche Sprache geschckt habe. Zugleich habe ich auch an den Verlag Langenscheidt geschrieben und auch die Antwort bekommen, die ich interessant finde. Auf meiner Seite will ich alle meine Korespondenz vorstellen.
> Kein Denglisch
>
> Schon das zweite Schuljahr arbeite ich mit dem Lehrbuch geni@l
> A1,A2,B1. In der Schule unterrichte ich DEUTSCH und war schokiert,
> dass es in diesen Lehrbüchern so viele Anglizismen vorkommen. Ich
> finde solche Mischung von Sprachen in Lehrbüchern einfach
> enttäuschend. Welche Sprache soll ich dann unterrichten Deutsch oder
> halb Englisch halb Deutsch? Bin ich dann so kompetent die Aussprache
> und Grammatik zu korrigieren? Ich habe nichts gegen Englisch, aber in
> Lehrbüchern für Deutsch sollten , meiner Meinung nach, die Anglizismen
> vermieden werden.
>
> Also meine Schüler der dritten Gymnasialklasse haben gerne Experten
> für Deutsch gespielt und ein Stück des Textes ins Deutsche
> übersetzt,genauer zu sagen für englische Wörter deutsche Vokabeln gesucht.
>
> MARIA,18:”ICH BIN SHOPPINGSÜCHTIG!“ (geni@lB1)36 Zeilen auf Deutsch
>
> „Maria,18: Ich bin shoppingsüchtig ( einkaufsüchtig).“ ….
> Was für die meisten Girls (Mädchen) einfach nur Freizeit-Fun
> (Freizeit-Spaß) oder Bummel durch Einkaufsstraßen ist, ist für Maria
> viel, viel mehr: Beim Shoppen (Einkaufen) fühlt sie sich wie ein
> umschwärmter Star, für den ein roter Teppich ausgerollt wird.
> „Es ist wie ein Anfall“, erzählt Maria stockend. „immer das gleiche:
> Ich sehe Jennifer Lopez im TV und sofort will ich coole (tolle)
> Klamotten haben wie sie!…“Schon mit 13 Jahren fing alles an.
> Zunächst war es noch ganz harmlos, sie ging mit Freundinnen shoppen
> (einkaufen) –wie tausende anderer Girls (Mädchen) auch….Maria zieht
> sich von ihrer Clique (Gruppe) zurück,sie wird einsam.Glückliche
> Momente erlebt sie nur, wenn sie neue Sachen gekauft hat. Doch dieses
> Glück ist trügerisch. „Wenn ich die Sachen zu Hause hatte, war der
> Glamuor (Zauber) verschwunden. Es waren nur noch unnützige Dinge, die
> ich da nach Hause gebracht hatte. Make-up(Schminke) Pullover, teure
> Beaty-Masken( Schönheitsmasken) …
>
> Die Autoren wollten, glaube ich, das Deutscherlernen leichter machen
> oder einfach glaubten, dass die deutsche Sprache so schöner und
> lebendiger wird. Aber Deutsch ist auch ohne die Anglizismen schön,
> weil sie ist so wie sie ist. Eigenartig, ziemlich schwierig. Ich
> spreche nicht über internationale Wörter und Begriffe,anerkannte
> Fachausdrücke. Aber die Deutschen gehen nicht shoppen, sondern
> einkaufen. Sie haben eine Schwester, wenn sie sie haben, und keine
> sister.
>
> Ich mag Deutsch so sehr. Ja, die Sprache soll lebendig sein, sie
> entwickelt sich, aber sie soll keinesfalls ohne irgendeinen Sinn
> verschmutzt werden.
>
> Nemira Čyvienė
Hallo und guten Tag Frau Čyvienė
Ich bin erfreut, daß Sie sich in Litauen (das ist leider noch nie besucht
habe) so um die deutsche Sprache bemühen. Was ich mich frage, ist:
Haben Sie diesen Ihren Beitrag denn auch ins Forum gestellt? Mit
Ihrer Nachricht haben Sie nur genau zwei Leute erreicht, nämlich Herrn
Braun und mich.
Ihre Beobachtungen kann ich nur teilen, denn auch hierzulande sind
die Ausdrucksweisen der jüngeren Leute (unter 25 etwa) teilweise sehr
stark anglisiert, was nicht zuletzt an den neuen Kommunikations-
methoden (Mobiltelefon/Messenger u.ä.) liegt. Einen großen Anteil
daran tragen aber auch diejenigen, die für die Etablierung und Ver-
breitung von Informationen zuständig sind. Als Beispiel fällt mir hier
der sogenannte “Girl’s day” ein, der von der bundeseigenen Regierung
ins Leben gerufen wurde, um jungen Mädchen Einblicke in typische
Männerberufe zu ermöglichen.
Bei den von Ihnen genannten Begriffen haben sich einige schon mit
eigener Bedeutung etabliert, so gibt es tatsächlich einen Unterschied
zwischen “Einkaufen” und “Shoppen”. Letzteres ist das eher ziellose
Umherschweifen in der Stadt, um meist mit irgendwelchen mehr oder
weniger nützlichen Dingen und mit einem meist deutlich leichteren
Portemonaie nach hause zukommen, wohingegen “Einkaufen” das
eher nüchterne und zielgerichtete Besorgen von Waren und Dienst-
leistungen beschreibt. Beim “Shoppen” muss ich Sie leider enttäuschen,
viele Frauen und manche Männer hierzulande machen das zuweilen
recht gern. Bei “Fun”, “Sister”, “Girls” und ähnlichen Begriffen gebe
ich Ihnen recht, die sind in der deutschen Sprache nicht nötig.
In welchem Buch haben Sie denn diese Zeilen gefunden, heißt es
wirklich “geni@l A1,A2,B1″?
Bitte seien Sie vorsichtig mit Begriffen wie “Sprache wird verschmutzt”
oder “Sprache sauber halten”, das erinnert stark an die alte deutsche
Geschichte und legt einen absolutistischen Gedanken nahe, der mit
den Zielen des VDS nicht vereinbar ist. Wichtig ist es uns, die Flut,
als die der derzeitige Einfluß der (d)englischen Wörter im Deutschen
empfunden wird, einzudämmen und die Sprache und die Kultur so
vor nachhaltigem Schaden zu bewahren.
Herzliche Grüße aus Deutschland,
Martin Hahn
Sehr geehrte Frau Cyviene,
Ihre Beschwerde ist absolut berechtigt. Lehrer des Deutschen als
Fremdsprache wundern sich seit langem darüber, dass man zum
Deutschlernen mittlerweile ein englisches Wörterbuch benötigt. Es ist
verantwortungslos von den Lehrbuchverlagen, dass sie diese Entwicklung
auch noch unterstützen. Außerdem wird es schwierig den Schülern
überhaupt die Notwendigkeit von Deutschkenntnissen zu vermitteln, wenn
sie doch mit Englisch viel besser durchkommen.
Das Problem ist bekannt und wir, der Verein Deutsche Sprache, versuchen
mit unserer Arbeit, dem entgegenzuwirken.
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie beizeiten eine E-Mail an den Verlag
Langenscheidt schicken würden, in der Sie Ihre Argumente wiederholen.
Die Redakteure nehmen Ihre Meinung als Kundin sicherlich ernst. Hier die
Adresse:
Langenscheidt KG
Redaktion geni@l
Mies-van-der-Rohe-Str. 1
D-80807 München
Tel.: +49 89 / 36096 – 0
Fax: +49 89 / 36096 – 222
kundenservicelangenscheidt.de <mailto:kundenservice@langenscheidt.de>
Mit freundlichen Grüßen
Holger Klatte
Sehr geehrte Frau Cyviene,
uns hat Ihre Klage über die Anglizismen in unserem Lehrwerk geni@l erreicht. Sie beziehen sich dabei insbesondere auf den Text “Maria, 18: ‘Ich bin shoppingsüchtig.’” in geni@l B1, S. 50-51. Es handelt sich bei diesem Text um einen Original-Artikel aus der Zeitschrift “Bravo Girl” vom 24.9.2003. “Bravo” (und “Bravo Girl”) ist die vermutlich meistgelesene Zeitschrift für Jugendliche in Deutschland. Die Verwendung von Anglizismen in diesem Artikel entspricht der Redeweise heutiger Jugendlicher in Deutschland. Über die Verwendung englischer Wörter, selbst dort, wo es treffende Ausdrücke im Deutschen gibt, wird auch in Deutschland viel diskutiert und es gibt viele und ernstzunehmende Stimmen gegen diese Tendenz. Unabhängig davon sind Lehrbuchtexte keine Modelltexte, wie in Deutschland gesprochen werden soll. Sie sollen statt dessen ein den Gegebenheiten entsprechendes Bild von Deutschland vermitteln. Nicht nur Lehrer, sondern auch in der universitären Ausbildung im Bereich “Deutsch als Fremdsprache” Tätige verlangen, oft mit Nachdruck, authentische Texte in Lehrbüchern aufzunehmen. Deutschlernende sollten allmählich dazu hingeführt werden, deutsche Zeitschriften und Zeitungen im Original lesen zu können. Eine Bereinigung von Lehrbuchtexten wäre ganz bestimmt nicht im Sinne dieser Forderung. Abgesehen davon ist die Veränderung von Originaltexten aus urheberrechtlichen Gründen ausgeschlossen.
Wir können zwar Ihren Ärger über die Verwendung von Anglizismen verstehen, können uns aber nicht dazu entschließen, in unseren Lehrwerken den aktuellen Sprachstand auszuklammern.
Mit freundlichen Grüßen
Hedwig Miesslinger
Langenscheidt KG
Redaktion Lehrwerke
Mies-van-der-Rohe-Str. 1
80807 München
Amtsgericht Charlottenburg HRA 2505 B
Tel. 089/360 96-451
Fax: 089/360 96-472
E-Mail: redaktion.lw@langenscheidt.de
Ich glaube für Germanisten wird es interessant sein. Wenn sie Interesse hätten, könnten sie sich an Forum teilnehmen. Forum wird von Verein Deutsche Sprache organisiert.
www.vds-ev.de
| Antwort mit Zit
Miezekatze
Benutzerstatus: neuer Nutzer

registriert seit: 12.08.2008
Beiträge: 14
IP: Protokolliert.


Re: Anglizismen
Zitat:
nemira schrieb: Ich mag Deutsch so sehr. Ja, die Sprache soll lebendig sein, sie entwickelt sich, aber sie soll keinesfalls so viele sinnlose Anglizismen in sich eindringen lassen.
Nemira Čyvienė
Karoliniškiu Gymnasium
Vilnius, Litauen
Hallo Nemira,
ich finde es spitze, dass Sie sich hier zu Wort gemeldet haben. Viele Deutschlehrer im Ausland haben mit den überflüssigen Anglizismen im Deutschen Schwierigkeiten*. Wenn man das deutsche Volk dazu befragt, sind mehr als 60% gegen “Denglisch”, also das Mischen von Deutsch und Englisch.
Ich halte es für sehr wichtig, wenn uns aus dem Ausland auch einmal der Spiegel vorgehalten wird und wir erkennen müssen, dass nicht nur wir in Deutschland, Österreich und in Teilen der Schweiz Deutsch sprechen und das unser Sprachmißbrauch nicht nur uns allein betrifft.
Wie Ihr Beitrag zeigt, ist unser “Denglisch” nicht Weltoffen und hat auch im Ausland seine Kritiker.
Herzliche Grüße nach Vilnius.
Deutscher Adler
Benutzerstatus: Gast

IP: Protokolliert.


Re: Anglizismen
Schöne Grüße nach Litauen!
Ja es ist eine Schande, wir Deutschen sind auf Platz 1 im übernehmen von Anglizismen, andere Länder wie Frankreich, Island und Schweden sorgen sich um ihre Sprache und wir lassen sie mit dummer Gleichgültigkeit verdrängen.
Kleiner Tipp, auch das Wort Star im Text ist ein Anglizismus, und bedeutet Stern
Schön, wenn du dich für Deutsch einsetzt, meine Hochachtung!
Schöne Grüße aus Deutschland!
Andrew
Benutzerstatus: Klartext-Fundament

registriert seit: 27.10.2003
Beiträge: 2792
IP: Protokolliert.



Re: Anglizismen
Hallo Nemira,
als ich Deutsch lernte, hatte ich kein wesentliches Problem mit exzessiven Anglizismen in den Unterrichtsmaterialien. So wie in Ihrem Beispieltext war es nicht. Ich finde es gut, dass Ihre Schüler deutsche Vokabel gesucht haben, so lernen sie auch die deutschen Wörter. Sonst kann ich nur vorschlagen, dass Sie dieses Lehrbuch wenn möglich nicht mehr benutzen.
simone
Benutzerstatus: erfahrener Nutzer

registriert seit: 10.04.2008
Beiträge: 243
IP: Protokolliert.


Re: Anglizismen
“Berühmtheit” wäre eine Möglichkeit, jedoch seh ich das auch so, “Star” ist hier völlig ok, denn es soll ja gezielt die Assoziation zu Berühmtheiten aus Pop/Kino hergestellt werden und in dem Zusammenhang nutzen selbst die Franzosen (auf die ja so gern verwiesen wird) das Wort “Star”. Also völlig ok. Auch “shoppen” finde ich nicht so schlimm hier, da auch hier eine Assoziation zum modernen sinnlosen Geld ausgeben für Kram hergestellt werden soll und nicht zum gezielten Einkaufen nötiger Waren.
Clique hat man zu meinen Zeiten schon gesagt, das seh ich nicht unbedingt als unnötigen Anglizismus. Was ich jedoch seltsam finde, ist die ständige Wiederholung von “girls”. Sagt man das heute??? Ich kenne niemanden, der das benutzt. Hat jemand Kinder im entsprechenden Alter? Sind wir heute schon bei den “girls”?
Volker
Benutzerstatus: Klartext-Fundament

registriert seit: 25.04.2007
Beiträge: 1129
IP: Protokolliert.


Lächerliche Anglizismen
Hallo Nemira,
herzlich Willkommen in diesem herrlichen Forum. Freut mich hier auch jemanden aus Litauen zu sehen, die dieses Denglische schrecklich findet. Soweit ich das mitbekommen habe, ist ja ungefähr die Hälfte der Mitglieder des VDS (bis zum 27 Lebensjahr ist die Mitgliedschaft übrigens gratis!) aus dem Ausland, wobei ich den Eindruck habe, dass die meisten Foristen hier aus Deutschland sind. Schade eigentlich, dass so wenige Ausländer mitschreiben…
Also aus Osteuropa fehlen definitiv noch Leute im Forum.
Ich denke, dass Sie die richtigen Wörter beanstanden und, dass man “Star” in der deutschen Sprache benutzen kann. “Berühmtheit” ist aber sicher auch ein schönes deutsches Wort. Außerdem sind mir noch die “Stars und Sternchen (Kleine Stars?)” bekannt. Für “shoppen” hatte ich mal gehört bzw. hier irgendwo gelesen, dass in der Schweiz das Wort “lädeln” existiert. Auch lustig! Ansonsten klingt “einkaufen” (Einkaufsbummel machen) besser.
Dank für Ihre Hilfe bei der Verbesserung der deutsche Sprache Nemira und
Herzliches Glückauf nach Litauen!
Volker
PS: Beispiele, wen Sie hier ignorieren könnten, hätte ich auch noch einige, aber ich denke, dass finden Sie schon ganz alleine raus 
Bei der Gelegenheit fällt mir noch das Wort “schlaueln” ein, das ich von einer des Deutschen mächtigen Ukrainerin lernen durfte.
11.05.2008 um 10:41 Uhr
Ludovico
Benutzerstatus: Alter Hase

registriert seit: 16.09.2004
Beiträge: 478
IP: Protokolliert.


Re: Anglizismen
Erschreckend, daß ein derartiges Lehrbuch für den Deutschunterricht im Ausland zum Einsatz kommt. Die Lernenden erhalten ein ganz falsches Bild von der deutschen Sprache. Es entsteht der Eindruck, Deutsch zu sprechen sei nur noch möglich, wenn gleichzeitig die englische Sprache beherrscht wird. Die Schüler, die sonst keinen Kontakt zur deutschen Sprache haben, müssen annehmen, daß im Deutschen für die im Buch verwendeten englischen Ausdrücke keine deutschen Wörter vorhanden sind.
So mancher Deutsch-Schüler wird durch dieses Buch vielleicht dazu gebracht, lieber gleich »richtiges« Englisch zu lernen, anstatt seine Zeit mit dieser deutsch-englischen Sprachmischung zu verschwenden.
Sie haben allerdings den Mangel dieses Buches didaktisch klug genutzt und damit auf die Problematik des übertriebenen Anglizismengebrauchs hingewiesen. Trotzdem würde ich empfehlen, sofern die finanziellen Mittel vorhanden sind, in Zukunft auf ein anderes Lehrbuch auszuweichen. Wenn Sie dem Verlag mitteilen, daß Sie, wegen der großen Menge englischer Ausdrücke, dieses Buch nicht mehr verwenden können, bzw. das Buch an der ganzen Schule nicht mehr verwendet wird, könnte das auch ein Umdenken bei den Verantwortlichen bewirken.
12.05.2008 um 11:55 Uhr